Unser Funkenfeuer

Brauch

Der Funkensonntag ist jeweils am ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch; Am ersten Fastensonntag. Dieses (Volks-)Fest wird vorrangig im alemannischen Raum (Schwarzwald, Schweiz, Allgäu, Vorarlberg) gefeiert.

 

Ablauf (Arbeit)

Im Herbst wird im Wald Holz gesammelt. Dieses wird auf dem Funkenplatz bis nach Neujahr deponiert. Nach dem Drei-Königs-Feiertag (06. Januar) werden zusätzlich Christbäume eingesammelt.

 

Etwa sechs Wochen vor dem Funkensonntag wird das Gerüst des Funkens erstellt und die Funkenlatte gesetzt. An den darauf folgenden Samstagen wird dann das Holz auf den Funken gestapelt. Je nach Art des Funkens werden so 10-20 Meter erreicht.

 

Die Höhe des Funkens und die Hexe sind Ehrensache des Funkenmeisters und der ganzen Funkenzunft. Jede Zunft will den grössten und schönsten Funken und die schönste Hexe haben. Deshalb ist der Funken sehr gefährdet und muss ab dem Samstag vor dem Funkensonntag bewacht werden (Funkenwacht). Ungeschriebene Gesetze besagen, dass vor diesem Samstag keine fremden Funken angezündet werden dürfen. Während der Funkenwacht sind – nebst den Bewachern – meist einige Leute auf dem Funkenplatz, um die lange Nacht dort zu verbringen.

 

Am Funkensonntag wird ab dem frühen Nachmittag die Festwirtschaft eröffnet. So kann man in Ruhe den Funken betrachten, Glühwein trinken und gratis Schenkeli essen. Ab ca. 15.00 Uhr wird dann die Funkenhexe durch das trinken eines Cognacs ‚ausgelöst’. Die Hexe wird mit viel Lärm und Getöse durch das Dorf zum Funkenplatz gebracht. Dort angekommen wird sie an der Funkenlatte angebracht.

 

Nach Einbruch der Dunkelheit wird der Vorfunken (Kinderfunken) angezündet. Um ca. 18.15 Uhr startet der Fackel- und Lampionzug vom Dorfplatz zum Funkenplatz. Am Funkenplatz angekommen, wird der Funken entzündet.

 

Der Funkenmeister kann seinen Erfolg feiern, wenn der Funken möglichst lange standhaft war und die Funkenhexe lange und laut geknallt hat.

Funken

Ein Funken ist eine meterhohe Ansammlung von Holz. Meist wird in der Mitte eine Funkenlatte (Funkentanne) installiert, die bis zu 30 Meter hoch sein kann. An der Spitze der Funkenlatte wird die lebensgrosse Funkenhexe befestigt. Die Funkenhexe besteht aus Stroh, Kracher, Böller und «Frauaförz». Wie der Funken gebaut wird, entscheidet meist die Tradition der Funkenzunft. (Hier finden Sie einige Beispiele)

 

Herkunft

Die Herkunft des Funkensonntags kann nicht genau belegt werden. Nach allgemeiner Meinung ist der Sinn des Funkens das Austreiben des Winters. Volkskundler wie Beispielsweise Hanno Platzgummer (Direktor des Dornbirner Stadtmuseums) widerlegen dies jedoch (siehe auch Zeitungsartikel als PDF).

 

Der älteste Beleg für den am Funkensonntag stattfindenden Feuerbrauch stammt aus einem lateinischen Brandbericht des Benediktinerklosters Lorsch (Deutschland) aus dem Jahre 1090. Laut Bericht wurde der Brand des Klosters durch eine brennende Holzscheibe entfacht, den die Burschen am Abend des 21. März 1090 geworfen hatten. Weitere Belege aus dem 15. Jahrhundert (Basel) sowie des 16. und 17. Jahrhunderts (Luzern, Bregenz, Innsbruck …) belegen die einstige Verbreitung des Brauchs.

 

Auch die Verbrennung einer Hexenpuppe auf den Funken ist kein Relikt der schrecklichen Hexenverbrennungen der frühen Neuzeit.

 

Nach dem ersten Weltkrieg liess der Brauch des Funkenabbrennens stark nach. Auf Grund des allgemeinen Holzmangels war er sogar einige Jahre verboten.

 

Das Abbrennen des Funkens steht vielmehr im engen Zusammenhang mit der Fasnacht. Außerdem diente der Funken zur Verbrennung von Unrat (noch heute werden alte Christbäume in den Funken geworfen) und hatte somit eine überaus profane Funktion, die in Verbindung mit der Frühjahrsreinigung des Hauses und der Wiesen stand.